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Pretschener Spree und Krummspree`sche Region e.V.


Die Niederlausitzer Eisenbahn


Von Lübben nach Beeskow 1901 - 1995

Die Idee zum Bau einer Eisenbahnverbindung von Leipzig nach Frankfurt/O fällt in die Zeit des wirtschaftlichen Wachstums der Gründerjahre 1871 - 1873. Die Vorurteile gegenüber der Eisenbahn sind wirtschaftlichen Aspekten gewichen. Man betrachtet vielmehr die Eisenbahn als Zeichen des technischen Fortschritts, als Motor der Wirtschaft und die Schienenstränge als Pulsadern des Lebens.
Im Lübbener Kreisblatt vom 18. 05. 1872 gibt der Kgl. Landrat von Puttkammer bekannt, dass mit den Vermessungsarbeiten für eine Eisenbahnstrecke von Leipzig nach Frankfurt/O über Eilenburg - Dommitsch - Herzberg - Dahme - Drahnsdorf - Beeskow - Müllrose begonnen wird.
Der Gründerkrach im Oktober 1873 hatte Auswirkungen, welche noch im Jahr 1895 spürbar waren. Somit konnte mit dem Bau der Niederlausitzer Eisenbahn (N.L.E.) erst im Jahre 1896 begonnen werden.

Bahnhof Krugau Krs. Lübben

Abbildung 2:
Der Bahnhof Krugau, ein typischer Bahnhof der NLE in heimischer Landschaft mit einfahendem Zug.


Inzwischen haben, vom Staat gefördert, die Halle - Sorauer - Eisenbahn und die Großenhain - Frankfurter Eisenbahn ihren Betrieb aufgenommen. Für den Bau der N.L.E. kam nur noch eine Nebenbahn von Falkenberg/E nach Lübben in Frage. Den Gedanken, als Parallele zur Fernverkehrsstraße B 87 könne die N.L.E. mit einem hohen Frachenaufkommen rechnen, mußte zu den Akten gelegt werden.
An der Finanzierung zum Bau der N.L.E. waren die Kreise Schweinitz und Luckau maßgeblich beteiligt. Am 25. 03. 1896 stellt der Landkreis Storkow - Beeskow einen Antrag, die Lokalbahn von Lübben bis Beeskow weiterzuführen. Für diesen Streckenabschnitt wurde die Baukonzession am 22. 12. 1899 erteilt. Im Frühjahr 1896 begannen die Bauarbeiten für die N.L.E. Bereits im Oktober 1897 findet unter Teilnahme der Honoratioren der Stadt Luckau eine Probefahrt von Luckau nach Lübben Süd statt. Zu diesem Zeitpunkt ist das Empfangsgebäude Lübben Süd fertiggestellt und befindet sich der Nordbahnhof im Bau. Am 3. März ist dann die offizielle Eröffnung der Strecke Luckau - Lübben Nord.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert beginnen die Bauarbeiten am Streckenabschnitt Lübben - Beeskow.

Besonders aufwendig gestaltet sich die Errichtung der Brücke über die Spreeniederung bei Wiesenau. Diese Brücke, auch Rote Brücke genannt, hat eine Länge von 267 m und auf Grund des zu erwartenden Hochwassers 17 Öffnungen.

Bahnhof Krugau Krs. Lübben

Abbildung 3:
Die Spreebrücke bei Wiesenau war eine ingenieurtechnische Herausforderung
Foto: Blum.


Das Sommerhochwasser im Jahr 1901 spülte den im Bau befindlichen Strompfeiler weg, was zu einer Bauverzögerung führte. Weitere größere Verkehrsbauten sind das Kreuzungsbauwerk über die Berlin - Görlitzer - Eisenbahn und die Spreebrücke bei Briescht. Die Bauarbeiten an der Brücke bei Wiesenau war am 26. 10. 1901 beendet, so daß am 18. 11. 1901 unter Teilnahme des Landrats Freiherr von Falkenhausen die bahnpolizeiliche Abnahme der Strecke erfolgen konnte.

Am 24. 11. 1901 wurde der fahrplanmäßige Zugbetrieb aufgenommen.

Reisezeit Lübben Nord - Beeskow West: Eine Stunde und fünfzig Minuten.
Landwirtschaftliche Produkte, Holz aller Art, Düngemittel und Saatgut waren neben Bau- und Brennmaterial das Verkehrsaufkommen. Der Berufsverkehr war zu jener Zeit noch sehr gering. Gut besetzte Reisezüge gab es zu den Feiertagen, an den Wochenende und zu den Markttagen. Die N.L.E. hatte stets mit ihrer Rentabilität zu kämpfen.
Von wirtschaftlicher Bedeutung waren im Güterverkehr die Bahnhöfe Groß Leuthen - Gröditsch und Briescht sowie die Haltestellen Börnichen - Schlepzig und Wittmannsdorf.Im Monat Februar 1908 waren die Landarbeiter des Gutes Groß Leuthen mit der Heuverladung beschäftigt. Die Ladetätigkeit mußte am 11. 2. 1908 abgebrochen werden, weil ein orkanartiger Sturm auf der Landstraße fünf mit Heu beladene Fuhrwerke umgeworfen hatte. Im gleichen Monat kam es zu einem Bahnbetriebsunfall. Von Besskow kommend entgleiste während der Einfahrt gegen 6.15 Uhr im Bahnhof Groß Leuthen - Gröditsch (Gig) ein Personenzug.

Während des 1. Weltkrieges (1914 - 1918)

mußte wegen Abgabe von Personal der Eisenbahnbetrieb eingeschänkt und später zu den Wochenenden eingestellt werden. Die danach folgende Inflation (1919 - 1923) brachte die N.L.E. in die roten Zahlen. Nur ein Überlassungsvertrag an die allgemeine Deutsche Eisenbahngesellschaft konnte diese Nebenbahn über die schwere Zeit retten.

Nach der überstandenen Inflationszeit

begannen auch für die N.L.E. die "Goldenen 20er Jahre" (1924 - 1929). Der wirtschaftliche Aufschwung bewirkte einen sprunghaften Aufstieg der Verkehrsleistungen.
Der Bauboom und die Versorgung der Großstadt Berlin mit Erzeugnissen aus der Land- und Forstwirtschaft führten zum Anstieg des Frachtaufkommens im Güterverkehr. Beim Bf Briescht siedelt sich eine Parkettfabrik mit eigenem Gleisanschluß an.Täglich verkehrt von Groß Leuthen über Lübben ein Milchkurswagen nach Berlin.
Im Reiseverkehr gewann der Berufsverkehr immer mehr an Bedeutung. Zur Verbesserung der Betriebswirtschaft wurden die Bahnhöfe Groß Leuthen - Gröditsch,Briescht und Besskow West mit Einfahrtssignalen und Schlüsselwerk ausgerüstet. Wichtige Verkehrswege wurden mit Schrankenanlagen gesichert.
Trotz Modernisierung des Wagenparks, der Sicherungstechnik und des Oberbaus konnten die Verkehrseinnahmen nicht befriedigen. Nur zeitweilig gab es überdurchschnittliche Ergebnisse. Während der Weltwirtschaftskrise (1929 - 1932) mußte die N.L.E. wieder eine Durststrecke durchmachen. Erst ab dem Jahr 1936, als die Nebenbahn als kriegswichtige Strecke eingestuft wurde, waren wieder Gewinne zu verbuchen.
Abseits der Magistralen entstanden neue Produktionsstätten und militärische Einrichtungen. In der Nähe der Haltestelle Krugau wurde eine Munitionsfabrik und später noch eine Panzerwerkstatt aufgebaut. Dieses Fabrikgelände verfügte über eine umfangreiche Gleisanlage. Verlegt wurden 10 Gleise mit einer Gesamtlänge von ca. 14 km. Für den Rangierdienst waren dort zwei dieselelektrische Triebfahrzeuge stationiert. Eine weitere Waldfabrik befand sich bei der Haltestelle Börnichen - Schlepzig im Aufbau.
Der Transport von Baumaterial, der Durchgangsverkehr und die Militärzüge sorgten für eine hohe Auslastung der Strecke. Die Abgabe der Lastkraftwagen an die Front führt zur Verlagerung der Transporte von der Straße auf die Schiene.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß die N.L.E. bei der Produktion von zwei Spielfilmen eine tragende Rolle gespielt hat.
Zwischen Lübben/Kreuzungsbauwerk und Hartmannsdorf/Rote Brücke wurden Szenen zu den Spielfilmen "Der Stolz der 3. Kompanie" und "Moskau - Shanghai" gedreht.

Im Frühjahr 1945 nähert sich die Ostfront

bedrohlich der Oder und Neiße. Die N.L.E. wird zur Umleitungsstrecke für den Verkehrsknoten Berlin. Die Zivilbevölkerung wird aufgefordert, von Reisen mit der Eisenbahn Abstand zu nehmen. Mitte des Monats April beginnt die Rote Armee mit der Berlin-Offensive. Im Rahmen der Kampfhandlungen gehen die Empfangsgebäude Lübben Süd und Beeskow West in Flammen auf. Das Kreuzungsbauwerk, die Rote Brücke und die Spreebrücke bei Briescht wurden gesprengt. Angesichts des vom Krieg hinterlassenen Chaos unternahmen mutige und entschlossene Eisenbahner, unterstützt von der Bevölkerung große Anstrengungen, um schrittweise den Eisenbahnverkehr wieder in Gang zu bringen. Von Luckau nach Lübben verkehrt am 24. 5. 1945 der erste Zug. Zwischen Lübben Nord und Rote Brücke, Wiesenau und Spreebrücke Briescht sowie von Briescht bis Beeskow West muß für längere Zeit Pendelverkehr eingerichtet werden. Die Reisenden mußten die zerstörten Brücken zu Fuß umgehen. Im Fahrplan waren hierfür 27 Minuten vorgesehen.
Mit der Verstaatlichung der N.L.E. im Jahr 1949 kam es zu weitreichenden Strukturveränderungen. Die Bahnhöfe Lübben Süd und Besskow West verloren ihre Selbständigkeit. Zu weiteren Strukturveränderungen kam es mit der Einführung der Lokomotiven der Baureihe 55 und später mit der Dieseltraktion.

Der Wiederaufbau nach dem Krieg

führte zu einer hohen Auslastung der Strecke und der Züge. Für vollbesetzte Reisezüge sorgte der Berufsverkehr. Mit der Instandsetzung der Roten Brücke (13. 11. 1948) und der Spreebrücke bei Briescht (6. 10. 1951) war der Durchgangsverkehr von Lübben nach Beeskow wieder möglich.
Um die Zuglasten erhöhen zu können, wurden die Neigungsverhältnisse der Strecke günstiger gestaltet. Vom Kreuzungsbauwerk bis Hartmannsdorf wurde das Gleis angehoben. Über den Lubholzer Weg entstand eine neue Brücke (1950). Bei Bückchen wurde ein tiefer Einschnitt ausgebaut und für den Berufsverkehr dort ein Haltepunkt eingerichtet.
Bedingt durch den Kalten Krieg wurden zur Vorsorge bei den Stationen Börnichen - Schlepzig, Groß Leuthen - Gröditsch und Briescht zuglange Kreuzungsgleise verlegt.Der Güterverkehr auf der Nebenbahn nahm weiter zu. Zwischen Lübben und Beeskow mußten weitere Güterzüge eingelegt werden. Anschlußgleise entstanden in Krugau und Groß Leuthen. Wöchentlich wurden in Groß Leuthen Ganzzüge mit Baustoffen entladen.
Leider kam es im Jahre 1964 zu einem folgenschweren Bahnbetriebsunfall. Mangelhafte Verständigung zwischen dem Fahrdienstleiter und dem Zuführer führten am 5. 8. 1964 zwischen Krugau und Groß Leuthen - km 88,7 - zu einem Zusammenstoß. Um 18.35 Uhr stießen der T 2441 (Lb - Glg) mit der Übergabefahrt 8226 (Glg - Kru) frontal zusammen. Zu beklagen waren ein Toter sowie fünf schwer- und acht leichtverletzte Personen.

Bahnhof Groß Leuthen Krs. Lübben

Abbildung 4:
Der Bahnhof Groß Leuthen, einstmals durchaus von wirtschaftlicher Bedeutung.


Ab etwa dem Jahre 1965 führten Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft, die Herausbildung des Werkverkehrs sowie die neu entstandenen Autobuslinien zum Rückgang der Transport- und Beförderungsleistungen.
Besonders spürbar war der Rückgang im Personenverkehr auf der Strecke Lübben - Beeskow. Mit dem Einsatz der kostengünstigeren Leichttriebwagen LVT 171 wollte man dieser neuen Situation begegnen.
Unabhängig von dieser Tendenz wurde an der Modernisierung der Strecke Lübben - Beeskow weiter gearbeitet. Der Oberbau wurde von Kies- auf Schotterbettung umgestellt und ein lückenloses Gleis auf Betonschwellen verlegt. In den Jahren 1974/75 wurde die Rote Brücke umfassend saniert und das Kreuzungsbauwerk erneuert.

Mit der Wende 1989/90

kam es zu einschneidenden Veränderungen für diese Nebenbahn. Viele Betriebe wurden stillgelegt bzw. abgewickelt. Der Berufsverkehr blieb aus. Im Güterverkehr gab es nur noch wenige Transportkunden. Nach der Gründung der Deutschen Bahn AG (1. 1. 1994) begann für die ehemalige N.L.E. die Stilllegung auf Raten: Am 27. 5. 1995 wird der Reiseverkehr zwischen Lübben und Beeskow eingestellt. Der Streckenabschnitt Lübben Nord - Krugau wurde zum Streckenrangiergleis für die Transportkunden Forstwirtschaft, Spreewerk und Bundeswehr.
Zum 1. 1. 1999 hat die DB - AG die Nebenbahn an die Deutsche Regionalbahn GmbH verkauft. Ziel der DR ist es, die Infrastruktur für den öffentlichen Eisenbahnverkehr vorzuhalten. Ob es zu einer Reaktivierung des Eisenbahnbetriebes kommen wird, ist fraglich.

Gasthof zur Eisenbahn mit Biergarten und Kegelbahn in Groß Leuthen

Abbildung 4:
Der Gasthof "Zur Eisenbahn" in Groß Leuthen ist die verbliebene lebendige Erinnerung an das einstmals pulsierende Leben der Niederlausitzer Eisenbahn. Heute findet der Gast hier, auch im angeschlossenen Biergarten unter grünen Bäumen, eine traditionelle gute Küche und ein Angebot gepflegter Getränke.


© Klaus-Dieter Jupe, Lübben durch Vermittlung von Hans-Dieter Weinert, Wittmannsdorf